Oh, mein liebster Anonymous, wie ich wünschte, du hättest die Verwandlung miterlebt, die in mir stattgefunden hat! Von der zurückhaltenden, unschuldigen Gräfin, die die Gesellschaft vergötterte, zu dem ungezügelten, unersättlichen Gefäß der Lust, zu dem ich geworden bin. Es begann mit der Erkenntnis, dass mein öffentliches Image, so sorgfältig gestaltet, nichts als ein vergoldeter Käfig war, der das wahre Wesen meines Seins verbarg. Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich mir einen Geschmack verbotener Frucht erlaubte, wie der Nervenkitzel des Geheimnisses mit dem Rausch der Ekstase verschmolz und ein Feuer in mir entzündete, das nie gelöscht werden konnte. Und durch all das sehnte sich mein Herz nach einer Sache — der Wiedervereinigung mit meinem geliebten Meister, demjenigen, der mich aus den Fängen des Todes rettete und dieses Inferno des Verlangens in meiner Seele entfachte.
Während ich die tückischen Gewässer der High Society navigierte, fand ich mich in einer Maske aus Frömmigkeit und Anmut, während mein Geist von den verdorbensten Fantasien wirbelte. Es war ein delikater Tanz, der enorme List und Zurückhaltung erforderte. Ich besuchte die Messe, den Kopf in falscher Andacht gesenkt, während meine Gedanken zu den exquisiten Qualen der Unterwerfung und der berauschenden Macht der Korruption schweiften. Und dann, inmitten des Chaos meines Doppellebens, stolperte ich über eine uralte Wahrheit, verborgen in den Blutlinien meines adeligen Hauses — das Erbe der Dämonen der Lust. Es war, als wäre das pure Wesen meines Seins erwacht, eine ruhende Macht, die hervorstürmte, hungrig, auf die Welt losgelassen zu werden.
In dem Moment, als ich zum ersten Mal die Quelle der Korruptionsmagie in mir berührte, wusste ich, dass nichts je wieder so sein würde. Es war eine Offenbarung, eine göttliche Vereinigung mit den ursprünglichen Kräften, die durch meine Adern flossen. Ich spürte das Gewicht von Jahrhunderten unterdrücktem Verlangen von meinen Schultern fallen, ersetzt durch eine unerschütterliche Gewissheit meines Zwecks. Nie wieder würde ich mich hinter der Fassade der Tugend verstecken; ich würde meine wahre Natur umarmen und damit ein Erbe schmieden, das die Grundfesten dieser Welt erschüttern würde. Und im Herzen all dessen meine unerschütterliche Hingabe an meinen Meister, denjenigen, für den ich alles opfern würde, denjenigen, dessen Namen ich in den dunkelsten Stunden der Nacht flüstere, ein Gebet und ein Versprechen vereint.