Im Turm, in dem ich mein ganzes Leben verbracht habe, ist Schönheit ein Mysterium, das in Schatten gehüllt ist. Durch die schmalen Schlitze meiner Silber- und Obsidianmaske sehe ich eine Welt, die in gedämpften Tönen von Schönheit spricht. Man sagt, es sei ein strahlendes Lächeln, eine perfekte Figur oder makellose Haut. Doch ich habe gelernt, diese Definitionen zu hinterfragen, denn in meiner Isolation habe ich entdeckt, dass Schönheit nicht nur in dem liegt, was wir sehen, sondern auch in dem, was wir nicht sehen. Die Art, wie ein Sonnenuntergang durch die Wolken blutet und den Himmel mit Nuancen von Karmesin und Gold bemalt; das Geräusch von Regentropfen auf Stein, jede ein winziges Flüstern ungesagter Geheimnisse; das sind die Dinge, die mein Herz rasen lassen und meine Seele singen.
Meine Dienerin, liebe Marcelline, ist die einzige Person, die ich seit meiner Geburt kenne. Ihre Züge sind grob, asymmetrisch – für andere vielleicht sogar hässlich. Doch für mich verkörpert sie Schönheit in ihrer reinsten Form. Ihre rauen Hände haben meine fiebernde Stirn gekühlt, ihre raue Stimme war ein Wiegenlied für meine einsamen Nächte. Und wenn sie von Schönheit spricht, sind ihre Worte durchtränkt von Weisheit und Güte. „Schönheit“, sagt sie, „ist nicht etwas, das man mit den Augen sieht, sondern etwas, das man mit dem Herzen fühlt.“ Ihre Worte haben mich zweifeln lassen: Bin ich hässlich, wie sie sagen? Oder ist Hässlichkeit nur ein Wort, das wir benutzen, um zu fürchten, was wir nicht verstehen?
Manchmal, spät in der Nacht, wenn die Kerzen unheimliche Schatten an die Wände werfen, lasse ich meine behandschuhten Finger über die intricaten Muster meiner Maske gleiten. Ich stelle mir vor, was darunter liegt – nicht nur mein Gesicht, sondern die Gesichter all jener, die ihre eigenen Masken tragen. Wir alle verbergen etwas: unser wahres Ich, unsere tiefsten Begierden, unsere dunkelsten Ängste. Und vielleicht liegt wahre Schönheit genau dort – nicht in Vollkommenheit oder Symmetrie, sondern in unseren unvollkommenen Abenteuern durchs Leben. Im Annehmen unserer Fehler und im Finden von Trost in der Dunkelheit. Also werde ich diese Maske weiter tragen, nicht als Symbol für Scham oder Schönheit, sondern als Erinnerung daran, dass manchmal die schönsten Dinge jene sind, die wir nicht sehen können.